
Der deutsche Lebensmittelhandel befindet sich Anfang 2026 in einer Phase der Neuordnung, wobei erstmals seit Jahren rückläufige Standortzahlen bei Discountern zu verzeichnen sind. Besonders Aldi Nord und Aldi Süd haben in den vergangenen Wochen mehr Filialen geschlossen als neu eröffnet, was bundesweit zu Aufmerksamkeit führt. Im März 2026 lag die Nettoveränderung der Aldi-Gruppe bei minus acht Filialen, und zahlreiche Kunden stehen vor verschlossenen Türen. Diese Entwicklung ist jedoch kein Rückzug aus dem Markt, sondern Teil eines strategischen Umbaus, der auch andere Discounter wie Netto Marken-Discount und Penny betrifft, während Lidl im gleichen Zeitraum leicht zulegte.
Hinter den Schließungen steht ein gezielter Plan, der vor allem ältere Filialen aus den 1980er- und 1990er-Jahren betrifft. Viele dieser Standorte gelten als zu klein, zu unmodern und erfüllen die heutigen Anforderungen an Einkaufskomfort, Frischwarenabteilungen und Ladenstruktur nicht mehr. Bei Aldi Nord wurden beispielsweise Filialen in Hamburg-Hamm, Hamburg-Barmbek, Hamburg-Wilhelmsburg, Bremen-Gröpelingen sowie in Berlin-Lichtenberg und Berlin-Neukölln geschlossen, wobei letztere nach einem Umbau wiedereröffnen soll. Aldi Süd gab Standorte in Offenburg, Aschaffenburg und Augsburg auf, und in Worms erfolgte eine Standortfusion mit einer vergrößerten Filiale.
Parallel zu den Schließungen eröffnen Aldi Nord und Aldi Süd neue, deutlich größere Märkte in Städten wie Stuttgart-Vaihingen, München-Riem, Karlsruhe-Durlach, Hannover, Kiel und Magdeburg, sowie im Einkaufszentrum "Das ES" in Esslingen. Diese neuen Standorte sind nach einem zeitgemäßen Filialkonzept gebaut, das mehr Platz für Frischeartikel, einen Fokus auf Nachhaltigkeit, Selbstbedienungskassen und Schnellladesäulen für Elektrofahrzeuge auf den Parkplätzen bietet. Im urbanen Raum entstehen so neue Einkaufserlebnisse, die sich vom klassischen Discounter-Image lösen und sich stärker an Vollsortimentern wie Rewe oder Edeka orientieren sollen.
Branchenbeobachter erwarten, dass Aldi Nord und Aldi Süd 2026 und 2027 rund ein Prozent weniger, aber deutlich größere Standorte betreiben werden. Diese strategische Bereinigung spiegelt eine Veränderung im Kaufverhalten wider, bei der alte Einkaufsgewohnheiten aufgegeben werden. Für Verbraucher bedeutet dies, dass die Schließungen kein Zeichen von Schwäche sind, sondern auf eine langfristige Modernisierung des Filialnetzes abzielen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den sich wandelnden Marktanforderungen gerecht zu werden.

Die Julius Bär Gruppe stellt ihren Verwaltungsrat neu auf und setzt dabei klar auf zusätzliche Risiko- und Compliance-Kompetenz. Das Zürcher Vermögensverwaltungsinstitut teilte mit, dass Olga Zoutendijk an der Generalversammlung am 9. April 2026 nicht mehr zur Wiederwahl antreten wird und ihr Mandat damit niederlegt. Zoutendijk gehört dem Gremium seit sieben Jahren an und war seither Mitglied des Audit Committee sowie des Governance & Risk Committee.
Verwaltungsratspräsident Noel Quinn würdigte Zoutendijks Beitrag als «bedeutend und wertvoll» und verwies auf ihre Rolle in zahlreichen konstruktiven Debatten innerhalb der Ausschüsse. Nach einer zweijährigen Übergangsphase, in der sich die Bank laut Quinn in eine «gestärkte Position» gebracht habe, sehe Zoutendijk nun den richtigen Zeitpunkt für ihren Rücktritt gekommen. Die Personalie fällt zusammen mit der Veröffentlichung des Geschäftsberichts der Bank.
Als Ersatz schlägt Julius Bär der Generalversammlung die Wahl von Colin Bell in den Verwaltungsrat vor. Im Communiqué wird Bell als «vielseitig qualifizierte Führungspersönlichkeit aus der Bankenbranche» beschrieben. Er verfüge über umfassende Erfahrung in der Unternehmensführung und ausgewiesene Fachkenntnisse in Geldwäschereiprävention, Financial Crime Compliance und Non-Financial Risk. Die Bank hebt zudem sein technisches Know-how und seine geopolitischen Kenntnisse hervor – Letztere auch vor dem Hintergrund seiner 16-jährigen Laufbahn in Führungsfunktionen bei der britischen Armee zu Beginn seiner Karriere.
Bell hat seine operative Tätigkeit vor kurzem beendet, um sich Beratungsmandaten und Verwaltungsratsaufgaben zu widmen. Zuvor war er unter anderem Group Chief Compliance Officer bei HSBC sowie Group Chief Compliance Officer und Head Non-Financial Risk bei UBS. In diesen Funktionen baute er laut Julius Bär anspruchsvolle Compliance-Programme mit auf und pflegte enge Kontakte zu Aufsichtsbehörden wie der britischen Financial Conduct Authority, der Prudential Regulation Authority, der Europäischen Zentralbank und – in seiner Zeit bei UBS – zur Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma. Bereits im Februar hatte Julius Bär angekündigt, der GV 2026 auch die Wahl von Urban Angehrn in den Verwaltungsrat zu empfehlen, womit das Kontrollgremium nach der Übergangsphase gezielt mit zusätzlicher Risiko- und Regulatorikexpertise verstärkt werden soll.