Die weltweit größte Kryptobörse Binance hat am Sonntagmorgen die Auszahlungen für ihre Nutzer schrittweise wieder aufgenommen. In einer ersten Phase wurden Assets auf 15 Blockchains freigeschaltet, darunter Bitcoin, Ether, BNB, Solana, XRP und Dogecoin sowie die Stablecoins USDT und USDC. Diese Priorisierung erfolgte basierend auf der Nachfrage der vergangenen Woche, während weitere Netzwerke erst nach erfolgreichen Sicherheits- und Stabilitätsprüfungen folgen. Einzahlungen waren während des Vorfalls zu keinem Zeitpunkt gestoppt.
Der Hintergrund ist ein beispielloser Cyberangriff am vergangenen Donnerstag, bei dem Täter rund 6,3 Milliarden Dollar (ca. 5,7 Milliarden Euro) aus Hot Wallets entwendeten. Als Einstiegspunkt diente vermutlich ein kompromittierter Laptop eines Mitarbeiters. Das FBI macht die nordkoreanische Hackergruppe TraderTraitor für diesen weltweit größten digitalen Raub verantwortlich und erwartet weitere Geldwäsche über DeFi-Protokolle. Während Tether und Circle rund 3 Milliarden Dollar einfroren, halten die Angreifer laut Elliptic noch etwa 3,3 Milliarden Dollar, darunter 18.270 Bitcoin.
Binance hat bereits rund 6,34 Milliarden Dollar an Unternehmensmitteln zur Deckung des Schadens zurückgestellt und meldete, dass 95 Prozent der betroffenen Assets ersetzt wurden. Die Finanzierung erfolgt über den 2018 eingerichteten Notfallfonds SAFU, einen Teil des Versicherungsfonds für das Futures-Geschäft sowie aus der Unternehmenskasse. Co-CEO Richard Teng betonte, dass Nutzer die finanziellen Folgen nicht tragen würden, während Co-CEO Yi He erklärte, dass die Einnahmen des laufenden Jahres den Verlust vollständig abdecken könnten. Der SAFU, der üblicherweise 1 Milliarde Dollar hält, wird etwa zur Hälfte verbraucht und soll wieder aufgefüllt werden.
Der hauseigene Token BNB zeigte sich im Vergleich zum FTX-Kollaps von 2022 stabil. Nach einem kurzzeitigen Rückgang notierte BNB am Sonntag bei rund 707 Dollar, was etwa 6 Prozent unter dem Niveau vor dem Angriff liegt, aber deutlich über der 200-Tage-Linie von 655 Dollar bleibt. Der Analyst Rick Maeda von Laevitas bezeichnete diesen Rückgang als moderat, insbesondere angesichts der 144 Milliarden Dollar, die Binance für Kunden verwaltet. Im Gegensatz zu FTX wurden die Gelder bei Binance gestohlen und nicht veruntreut, weshalb der gesamte Kryptomarkt mit einem Minus von 5 Prozent weniger stark reagierte als damals mit 25 Prozent.



