Israel rät Iranern von Bahnfahrten ab, während Trumps Hormus-Ultimatum ausläuft

07.04.2026


Israel hat die Bevölkerung im Iran in einer ungewöhnlich direkten Botschaft davor gewarnt, Züge zu benutzen oder sich in der Nähe von Bahnstrecken aufzuhalten. Über den persischsprachigen Account der israelischen Armee auf der Plattform X hieß es, man bitte "im Interesse Ihrer Sicherheit" darum, von sofort an bis 21.00 Uhr Ortszeit auf Zugreisen im gesamten Iran zu verzichten. Jede Präsenz in Zügen oder nahe an Eisenbahnlinien gefährde das Leben der Menschen, so die Mitteilung. Eine explizite Begründung für die Warnung wurde nicht genannt.

Die Botschaft richtet den Fokus auf das iranische Schienennetz und nährt Spekulationen, dass diese Infrastruktur ins Visier geraten könnte. In einem weiteren Bericht wurde das Posting als beispiellose Drohung beschrieben, wonach die Nutzung von Zügen in den kommenden Stunden lebensgefährlich sein könne. Offizielle Angaben zu konkreten militärischen Planungen liegen nicht vor. Klar ist jedoch, dass Israel und die USA in dem seit dem 28. Februar andauernden Konflikt gemeinsam gegen Iran vorgehen und damit auch Verkehrsinfrastruktur stärker in den Mittelpunkt rückt.

Die Warnung erreichte Teile der iranischen Bevölkerung trotz strikter Einschränkungen im Netz. Seit Ende Februar haben Nutzerinnen und Nutzer im Iran offiziellen Angaben zufolge nur Zugang zu einem begrenzten internen Intranet mit staatlich genehmigten Inhalten. Dennoch kursieren Informationen über heimische Plattformen, die Messenger-Diensten wie Telegram ähneln. Auf einer dieser Plattformen wurde der Hinweis der israelischen Armee bereits sechs Minuten nach Veröffentlichung auf X weiterverbreitet, was auf eine weiterhin vorhandene – wenn auch eingeschränkte – digitale Vernetzung hindeutet.

Im Hintergrund verschärft ein Ultimatum von US-Präsident Donald Trump den Druck auf Teheran. Trump fordert, die Straße von Hormus – eine für den globalen Öl- und Gashandel zentrale Wasserstraße – wieder zu öffnen. Die Frist läuft in der Nacht aus, eine Einigung ist nach übereinstimmenden Berichten bislang nicht in Sicht. Trump hatte mit Angriffen auf Infrastruktur gedroht, die auch zivil genutzt wird oder zivilen Nutzen hat, darunter Brücken und Kraftwerke. Parallel dazu haben die Schließung der Straße von Hormus und die anhaltende Unsicherheit an den Energiemärkten die Preise für Öl deutlich steigen lassen, während Anleger zunehmend zweifeln, ob diplomatische Bemühungen den Konflikt kurzfristig entschärfen können.

ETH Zürich und RWTH Aachen erzeugen künstliche Erschütterungen im Furka-Baustollen

30.04.2026


Im Gotthardmassiv im Tessin ist einem internationalen Forschungsteam erstmals gelungen, die Erde kontrolliert zum Beben zu bringen. Im Untergrundlabor "Bedrettolab", das in einem ehemaligen Baustollen des Furkatunnels eingerichtet wurde, lösten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gezielt eine Serie von Mikrobeben aus. Die beteiligte Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH Aachen) sprach von einem "sehr erfolgreichen" Versuch.

Über mehrere Tage injizierten Fachleute der ETH Zürich, der RWTH Aachen und des italienischen Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) Wasser mit hohem Druck in eine natürliche Bruchzone tief im Fels. Ziel des Experiments war es, Spannungsänderungen im Gestein hervorzurufen und damit kleinste Erschütterungen auszulösen. Genau das trat ein: Registriert wurde eine ganze Serie von Mikrobeben, teilweise mit Magnituden knapp unterhalb von 0. An der Erdoberfläche waren diese Ereignisse nicht zu spüren.

Um die künstlich erzeugten Beben detailliert zu erfassen, installierte das Team Hunderte hochsensibler Sensoren in unmittelbarer Nähe der Verwerfung. Die Messinstrumente reagierten so feinfühlig, dass im Bedrettolab sogar das Erdbeben in Japan vom 20. April präzise aufgezeichnet werden konnte. Durch die direkte Platzierung an der Bruchzone konnte die Entstehung der Erschütterungen erstmals am Ursprungsort und nicht wie sonst üblich an der Erdoberfläche verfolgt werden. Die aufgezeichneten Signale seien "unglaublich", sagte Projektleiter Florian Amann von der RWTH Aachen, man erhalte einen einzigartigen Einblick in die Erdbebenphysik.

Das Experiment ist Teil des Projekts "FEAR" – kurz für "Fault Activation and Earthquake Rupture". Langfristig sollen die Daten dazu beitragen, die Vorhersagbarkeit von Erdbeben zu verbessern. Im Fokus steht die Frage, was im Gestein passiert, bevor ein größeres Beben einsetzt. Nach Angaben der Forschenden gehen starken Erdbeben typischerweise tausende kleine Ereignisse voraus. Deren Entwicklung im Labor nachzuzeichnen, soll helfen, die physikalischen Prozesse entlang natürlicher Störungszonen besser zu verstehen und Frühindikatoren für künftige Beben zu identifizieren.