
Die Zahlungsmoral in Österreich hat sich deutlich eingetrübt. Laut aktuellem Austrian Business Check des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV1870) wird inzwischen jede fünfte Rechnung verspätet bezahlt – im Vorjahr war es noch jede sechste. Insgesamt werden nur noch 80 Prozent der Rechnungen innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels beglichen, nach 83 Prozent im Jahr davor. Parallel dazu verschlechtert sich die Stimmung in den Unternehmen: Lediglich 42 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als „sehr gut“ oder „gut“, fünf Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor und der niedrigste Wert seit 2020.
Ein deutlicher Graben verläuft zwischen privaten und gewerblichen Zahlern. Privatpersonen begleichen ihre Rechnungen im Schnitt nach 13 Tagen und damit zwei Tage schneller als 2025. 86 Prozent ihrer Rechnungen werden pünktlich bezahlt, begünstigt durch ein im Schnitt nur zwölf Tage langes Zahlungsziel. Firmenkunden hingegen benötigen inzwischen durchschnittlich 29 Tage, um ihre Verbindlichkeiten zu begleichen – vier Tage mehr als im Vorjahr und so viel wie zuletzt 2019. Nur 77 Prozent der Unternehmensrechnungen werden noch innerhalb der vereinbarten Frist bezahlt.
Besonders kritisch ist laut KSV1870 die Entwicklung bei der öffentlichen Hand. Der Bund braucht im Schnitt 36 Tage für die Begleichung offener Forderungen, die Länder 32 Tage und die Gemeinden 27 Tage. Damit überschreiten Bund und Länder das gesetzliche Zahlungsziel von 30 Tagen. Insgesamt werden 78 Prozent der Rechnungen der öffentlichen Hand fristgerecht bezahlt; beim Bund sind es 76 Prozent, in den Ländern 79 Prozent. KSV1870-Manager Walter Koch warnt, die öffentliche Hand verschärfe damit vielerorts die ohnehin angespannte Liquiditätssituation der Betriebe, anstatt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine Vorbildfunktion zu übernehmen.
Regionale Ausreißer nach oben unterstreichen den Trend. In Tirol und im Burgenland dauert es im Schnitt 41 Tage, bis Rechnungen beglichen werden – länger als es das gesetzliche Zahlungsziel vorsieht. „Dass bereits jede fünfte Rechnung nicht fristgerecht bezahlt wird, ist Ausdruck der finanziellen Schwierigkeiten der vergangenen Jahre. Zahlungsziele werden zunehmend ausgereizt und immer häufiger überschritten“, sagt Koch. KSV1870-Chef Ricardo-José Vybiral spricht von einer „schleichenden Veränderung in die falsche Richtung“ und verweist darauf, dass Unternehmen verstärkt versuchen, Liquidität möglichst lange im Betrieb zu halten. In den Branchen fällt das Bild unterschiedlich aus: Im Handel beurteilen nur 35 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage positiv, in Industrie, Dienstleistungen und Gewerbe liegen die Werte zwischen 40 und 46 Prozent; am besten schneidet Vorarlberg mit einem Anteil positiver Bewertungen von 55 Prozent ab.

Roche versucht nach einer Phase von Forschungsrückschlägen und Belastungen durch auslaufende Patente, das Tempo in der Medikamentenentwicklung deutlich zu erhöhen. Am Pharma-Investorentag unterstrich die Pharmasparte des Basler Konzerns den Anspruch, in Forschung und Entwicklung weiter zur Spitzengruppe zu gehören. Zentral sind dabei ein strengeres Management der Pipeline, Effizienzprogramme und der verstärkte Einsatz künstlicher Intelligenz entlang der Wertschöpfungskette.
Pharma-Chefin Teresa Graham verwies auf eine sichtbar verbesserte Bilanz seit dem letzten „Pharma Day“: In zehn zulassungsrelevanten Studien habe Roche die gesetzten Ziele erreicht, sechs Programme seien in die zulassungsrelevende Phase vorgerückt, drei weitere in Phase II. Insgesamt verfügt Roche nach eigenen Angaben über bis zu 20 neue Wirkstoffe, die bis 2030 auf den Markt kommen könnten. Einzelne Kandidaten wie das Brustkrebsmittel Giredestrant traut der Konzern dabei jeweils Spitzenumsätze im zweistelligen Milliardenbereich zu.
Um diese Ambitionen abzusichern, verschärft Roche die internen Selektionskriterien. Ende 2023 führte der Konzern mit „The Bar“ einen neuen Bewertungsrahmen für die Pipeline ein. Nur Wirkstoffkandidaten, die klar definierte Anforderungen erfüllen, werden weiterentwickelt. Medizinchef Levi Garraway bezeichnete „The Bar“ als Leitbild für Forschung und Entwicklung. Die Auswahl potenzieller Projekte sei damit spürbar strenger geworden – mit dem Ziel, Ressourcen konsequent auf die Erfolg versprechendsten Programme zu konzentrieren und die Erfolgsquote in späten Studienphasen zu stabilisieren oder weiter zu erhöhen.
Parallel dazu treibt Roche ein Effizienzprogramm voran, um Mittel aus weniger renditestarken in wachstumsstärkere Projekte umzuschichten. Die Entwicklung neuer Medikamente soll deutlich beschleunigt werden, was insbesondere in umkämpften Indikationen wie Onkologie sowie in wachstumsstarken Bereichen wie Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen an Bedeutung gewinnt. Damit will Roche erwartete Umsatzeinbussen durch Patentabläufe mehr als kompensieren und sich bis zum Ende des Jahrzehnts ein Portfolio aufbauen, das von mehreren potenziellen Blockbustern getragen wird.