
Der angekündigte Teil-Rückzug von Vizekanzler und SPÖ-Chef Andreas Babler hat die Debatte über die Stabilität der österreichischen Bundesregierung neu entfacht. Während die Sozialdemokraten ihren innerparteilichen Übergangsprozess organisieren, bemühen sich die Koalitionspartner ÖVP und NEOS, das Signal größtmöglicher Kontinuität auszusenden. Bundeskanzler Christian Stocker betonte wiederholt, parteiinterne Diskussionen dürften die Arbeit der Regierung nicht beeinträchtigen. Sein zentraler Anspruch sei es, die Handlungsfähigkeit und Stabilität des Kabinetts sicherzustellen.
Die ÖVP hatte bereits am Montagvormittag ihre Länderchefs zu Beratungen zusammengeschaltet, um eine einheitliche Reaktion auf die neue Lage in der SPÖ abzustimmen. Laut der vorgegebenen Linie Stockers soll das Regierungsprogramm „konsequent“ weiter abgearbeitet werden. Der Kanzler fordert von der SPÖ, sich nun einem von ihm ausgerufenen „Herbst der Ergebnisse“ zu widmen. Im Fokus stehen dabei die Stärkung des Wirtschaftsstandorts, die Fortführung der Reformpartnerschaft sowie Projekte wie die Sozialhilfereform, das geplante Zukunftsdepot und das Verbot des politischen Islam. Staatsverantwortung müsse über Parteipolitik stehen, heißt es aus dem Kanzleramt.
Trotz der Personaldebatte in der SPÖ vermeidet Stocker offene Kritik am gewählten Übergangsmodus. Der von den Sozialdemokraten definierte Prozess sei deren interne Angelegenheit, ließ er wissen. Für die laufende Regierungsarbeit bleibe sein Ansprechpartner unverändert der Vizekanzler, also weiterhin Andreas Babler. Auf Spekulationen über mögliche Neuwahlen reagiert der Kanzler ausweichend: Die Koalition funktioniere und arbeite, lautet die offizielle Botschaft. Auch in den Reihen der ÖVP wird nach außen hin überwiegend Zurückhaltung geübt; manche Landesorganisationen verwiesen schlicht auf die Linie der Bundespartei, andere verzichteten gänzlich auf Kommentare.
Unterdessen mahnen die NEOS Tempo bei den Reformvorhaben ein. Parteichefin und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger betonte, Personalentscheidungen der SPÖ seien deren Sache, stellte aber klar, dass es für eine verlässliche Zusammenarbeit „klare Verhältnisse“ brauche. Mehrmonatige Übergangsprozesse trügen nicht zur erforderlichen Klarheit bei, kritisierte sie. Österreich könne sich keinen politischen Stillstand leisten, mehrere Reformprojekte müssten „ohne weitere Verzögerung“ abgeschlossen werden. Auch aus den Ländern kommen mahnende Töne: Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner, derzeit Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz, sieht die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung „auf dem Prüfstand“, verweist zugleich aber darauf, dass ein Abarbeiten des Regierungsprogramms oberste Priorität habe.
Sandro Brotz kehrt dem Schweizer Radio und Fernsehen den Rücken und wechselt Anfang 2027 zur Boulevardzeitung «Blick». Der 56-jährige Journalist, derzeit Moderator und stellvertretender Leiter der Polit-Talksendung «Arena», wird SRF Ende Januar 2027 verlassen. Bis voraussichtlich Mitte Januar führt er weiterhin durch die «Arena». Beim zum Ringier-Konzern gehörenden «Blick» soll Brotz einen neuen Video-Podcast aufbauen und moderieren, der mehrmals pro Woche Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aufgreift.
Der Schritt markiert das Ende einer knapp 15-jährigen SRF-Ära für Brotz. Seit seinem Wechsel nach Leutschenbach im Juni 2012 prägte er zunächst als Moderator der investigativen Sendung «Rundschau» das Programm, später zusätzlich als Gastgeber des «Rundschau Talk». 2019 übernahm er schliesslich die «Arena» von Jonas Projer. Als Grund für den Wechsel nennt Brotz die Möglichkeit, bei «Blick» ein neues Format mitzuentwickeln und damit über die Rolle des klassischen Moderators hinauszugehen. Ganz neu ist das Ringier-Umfeld für ihn nicht: Vor seiner SRF-Zeit war er bereits unter anderem stellvertretender Chefredaktor des «SonntagsBlick».
Der Abgang von Brotz wirft bei SRF unmittelbar die Nachfolgefrage auf. Als Topfavorit galt zuletzt sein Kollege Mario Grossniklaus, der seit 2024 einmal im Monat die «Arena» moderiert und damit Brotz entlastet. Der 49-Jährige hat dieser Spekulation nun jedoch eine klare Absage erteilt. Auf Linkedin schrieb Grossniklaus, er werde sich nicht auf die Nachfolge seines «geschätzten Kollegen» bewerben. Stattdessen wolle er sich auf seine Aufgaben in der Wahlleitung von SRG und SRF konzentrieren – eine Funktion, die er als «grösste und spannendste Aufgabe» seiner bisherigen Karriere bezeichnet.
Mit der Absage von Grossniklaus bleibt offen, wer Brotz ab etwa Mitte Januar beerben wird. SRF verweist darauf, man wolle sich vorerst auf eine geordnete Übergabe der «Arena» konzentrieren. Der Wechsel von Brotz reiht sich ein in eine Serie prominenter Abgänge von SRF in Richtung Dufourstrasse: Bereits zuvor hatten unter anderem Reto Scherrer, Steffi Buchli, Christine Maier, Hannes Britschgi und der frühere «Arena»-Moderator Jonas Projer den Schritt zum Ringier-Konzern gewagt. Die Motive reichen von besseren Angeboten bis hin zum Wunsch, den eigenen Namen in neuen Rollen und Formaten zu positionieren – mit sehr unterschiedlichem Ausgang.