Wirtschaftsforscher erwarten Auswirkungen in drei bis sechs Monaten

10.03.2026


Während US-Präsident Donald Trump bereits mit neuen Zöllen droht, zeichnen sich die Auswirkungen der im Februar neu verhängten pauschalen US-Zölle von 10 Prozent auf Waren aus der EU ab. Laut einer gemeinsamen Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) und des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO könnten die Zölle in Österreich zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,11 Prozent führen. Für die gesamte Europäische Union prognostizieren die Ökonomen einen durchschnittlichen BIP-Rückgang um 0,26 Prozent.

Die direkten Exporte Österreichs in die USA sind dabei nur von geringer Bedeutung für die heimische Wirtschaft. Bedeutender sind laut Asjad Naqvi, Forscher am ASCII und Senior Economist am WIFO, die indirekten Effekte über europäische Produktionsnetzwerke. "Wenn große EU-Volkswirtschaften ihre Produktion drosseln, trifft das österreichische Zulieferbetriebe unmittelbar", erklärt Naqvi. Mit spürbaren Auswirkungen ist in drei bis sechs Monaten zu rechnen, wobei mögliche Anpassungen der Lieferketten in der Studie nicht berücksichtigt wurden.

Besonders betroffen sind vorleistungsintensive und international eng verflochtene Industrien. Den größten Rückgang prognostiziert die Studie für den Bergbau und die Rohstoffgewinnung mit minus 0,58 Prozent. Ebenfalls signifikante Einbußen werden für die Herstellung chemischer Erzeugnisse (-0,51 Prozent), die Metallerzeugung und -bearbeitung (-0,30 Prozent) sowie die Produktion von Gummi- und Kunststoffwaren (-0,21 Prozent) erwartet. Die Textilindustrie und die Hersteller nicht-metallischer Mineralerzeugnisse könnten Rückgänge von 0,21 bzw. 0,20 Prozent verzeichnen.

Parallel dazu zeigt eine Studie des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), dass Österreichs Außenhandel stark von exportorientierten Großunternehmen abhängt. "Nur ein kleiner Teil der österreichischen Unternehmen ist permanent im Außenhandel tätig, nämlich in erster Linie die größeren und produktiveren Firmen, die mit hochwertigen Produkten auf den Weltmärkten aktiv sind", sagt Robert Stehrer, wissenschaftlicher Direktor des wiiw. Die größten zehn Prozent der heimischen Unternehmen generieren rund 90 Prozent des Handelsvolumens, was die Anfälligkeit der Wirtschaft für externe Schocks wie Zollerhöhungen unterstreicht.

Bachem: Starkes Jahr 2025, vorsichtiger Ton beim Ausblick

14.03.2026


Bachem hat für das Geschäftsjahr 2025 robuste Zahlen vorgelegt und die durchschnittlichen Analystenschätzungen beim Umsatz wie beim Ergebnis übertroffen. Der Pharmazulieferer setzte 695,1 Millionen Franken um, ein Plus von 14,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr; in Lokalwährungen lag das Wachstum sogar bei 19,2 Prozent. Im ersten Halbjahr war das Unternehmen in Lokalwährungen noch um 34 Prozent gewachsen. Unter dem Strich erzielte Bachem einen Reingewinn von 148,8 Millionen Franken und damit knapp 24 Prozent mehr als 2024. Damit lag das Unternehmen rund 30 Millionen Franken über der Konsensschätzung.

Auch auf operativer Ebene legte Bachem zu. Der EBITDA stieg um 21,8 Prozent auf 214,7 Millionen Franken, die Marge verbesserte sich um 1,8 Prozentpunkte auf 30,9 Prozent. Darin enthalten ist allerdings ein positiver Sondereffekt von 16,1 Millionen Franken aus der Standortentwicklung im Sisslerfeld sowie dem Verkauf eines Gebäudes in den USA. Bereinigt lag die EBITDA-Marge bei 28,6 Prozent und damit ungefähr auf Höhe der Markterwartungen. Aktionäre sollen an der Entwicklung teilhaben: Die Divende soll von 0,85 auf 0,90 Franken je Aktie erhöht werden.

Für Gesprächsstoff sorgt der Ausblick. Unter der neuen CEO Anne-Kathrin Stoller rückt Bachem von der bisher kommunizierten Marke eines Umsatzes von mindestens 1 Milliarde Franken ab, die 2026 erreicht werden sollte. Im aktuellen Communiqué wird dieses Mittelfristziel nicht mehr explizit erwähnt. Stattdessen stellt das Unternehmen für das laufende Jahr ein Umsatzwachstum von 35 bis 45 Prozent in Aussicht, was einer Spanne von 938 Millionen bis 1,008 Milliarden Franken entspricht. Schafft Bachem den oberen Rand, wäre die bisherige Zielmarke zwar erreicht – die weniger pointierte Formulierung dürfte aber einige Investoren veranlassen, ihre Erwartungen zu justieren.

Operativ richtet Bachem die Organisation auf weiteres Wachstum aus. 2025 investierte der Konzern 332,6 Millionen Franken über alle Standorte hinweg; im laufenden Jahr sollen die Investitionen auf über 400 Millionen Franken steigen. Hintergrund sind unter anderem mehrere Grossaufträge von Herstellern der stark nachgefragten Medikamenten zur Gewichtsreduktion. Gleichzeitig treibt Bachem den Ausbau neuer Kapazitäten voran: Die erste Bauetappe des Gebäudes K wurde Ende 2025 von der Aufsichtsbehörde Swissmedic inspiziert und freigegeben. Das Unternehmen, das Peptid-basierte Wirkstoffe für Indikationen wie Krebs, Diabetes und Fettleibigkeit liefert und parallel ein Standbein im Bereich Oligonukleotide aufbaut, setzt damit klar auf steigende Nachfrage – auch wenn es bei der kommunikativen Zuspitzung seiner Umsatzziele zurückhaltender geworden ist.